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 Astrid Volpert- Freie Publizistin
- Kunstkritikerin, Kuratorin
- Lektorin
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Ausstellungsprojekte, Symposien, Workshops

Die Ausstellung 2002 stellte einen ersten wissenschaftlich-dokumentarischen Beitrag der Erforschung von Leben und Werk dieses Bauhausarchitekten dar. Der Absolvent der Bauabteilung in Dessau war mit seinem Lehrer, dem zweiten Bauhaus-Direktor Hannes Meyer, im Oktober 1930 auf Einladung der sowjetischen Regierung in die UdSSR gegangen. Bis Ende der neunziger Jahre wusste man in Deutschland fast nichts über die Gestaltung seines weiteren Lebensweges, der ihn über Moskau nach Swerdlowsk in den Ural führte. In Russland wiederum sagte sein Name nur einer Handvoll Spezialisten etwas.
Wie viele andere war Scheffler in den 1930er und 1940er Jahren als deutscher Spion repressiert und schließlich ermordet worden. Damit verschwand sein Name aus den städtebaulichen Dokumentationen.

Als ich bei den Recherchen zum Schicksal eines anderen Bauhausarchitekten in der russischen Emigration auf seine Spur stieß, fand ich recht bald mit Unterstützung russischer Kollegen erste Dokumente seines Wirkens vor Ort. Sie waren übrigens sehr erstaunt, als ich ihnen nachweisen konnte, dass ihr „Auslandsspezialist“ aus der weltbekannten Schule des Dessauer Bauhauses stammt. So entstand die Idee für Ausstellung und Katalog, mit dem Ziel, die erstmals vorgestellten Dokumente weiteren Forschern zugänglich zu machen und neue zu finden. In insgesamt zwölf Vitrinen wurde Schefflers Lebensweg dargestellt.
Die Aufsätze des Katalogs stammen von Astrid Volpert und Nina Obuchowa, Sie sind wie die anhand der damaligen Dokumente erstellte vorläufige Biographie des Architekten seither oftmals mit und ohne Quellenangabe, fast vollständig oder in auszugsweise in verschiedenen Publikationen, vor allem russischen, verwendet worden, wobei auf Zusammenhänge und Wertigkeiten des Themas mitunter wenig Wert gelegt wurde. So haben meine Jekaterinburger Kollegin und ich uns entschlossen, beide Texte hier im Original einsehbar zu machen.

Da seit 2002 von mir wie befreundeten Historikern weitere Materialien und Dokumente über den Architekten aufgefunden worden sind, verweisen wir beide auf unsere aktualisierten Vorträge anlässlich der Konferenz „Bauhaus im Ural. Von Solikamsk bis Orsk“ im November in Jekaterinburg, die auch die Scheffler-Biographie, die ergänzen und vervollständigen.
Eine darüber hinausgehende Rehabilitierung der Persönlichkeit und städtebaulichen Leistung Schefflers hat es hingegen bis heute nicht gegeben. Bauten, die seine Handschrift in Gänze oder durch Interventionen im Detail tragen, befinden sich heute in jeder Hinsicht ungeschützt: Entweder existiert keine baugeschichtliche Dokumentation oder sie ist Forschern nicht zugänglich; die betreffenden Gebäude der Sozgorod Uralmasch im heutigen Jekaterinburg haben ihren Denkmalstatus verloren oder besaßen nie einen solchen, wenngleich sie ihn damals wie heute verdient hätten. Ihr Territorium ist 2007 teilweise oder ganz privatisiert, die häufig wechselnden Besitzer agieren ohne Aufmerksamkeit und Auflagen, die diese unikalen Zeugnisse der internationalen Geschichte des neuen Bauens bewahren helfen.